Hořice – Stadt der Röhrchen und der Steine

Lubin Baugin: Röhrchen

So sehen sie aus, die Trubičky: „Le Dessert de Gaufrettes“ von Lubin Baugin

An manchen Sonntagen verschlägt es mich nach Hořice (Horschitz). „Verschlägt“ deshalb, weil dort, wie in vielen tschechischen Kleinstädten, am Sonntag extreme Ruhe herrscht und man oft froh sein kann, überhaupt eine Menschenseele auf der Straße zu erblicken. Das gastronomische Angebot bewegt sich zumeist zwischen chinesischem Fastfood, böhmischem Döner und ebenso böhmischem Hamburger. Gerade an Wochenenden durchlebt zudem der Koch in der ehemaligen Brauerei seine phlegmatische Phase, und es stellt sich als betroffener Gast zunehmend die Frage, wie die Stunden zu überbrücken seien. Die Antwort sind Steine, und zwar ganz besondere Steine.

Die zwischen zwischen Jičín und Hradec Králové (Königgrätz) in den Ausläufern des Riesengebirges gelegene Kleinstadt kann nämlich mit zwei touristischen Attraktionen aufwarten:

Zum einen sind das die Trubičky, wobei es sich um zerbrechliche Röhrchen aus süßem Oblatenteig handelt, die entweder hohl oder gefüllt verzehrt werden und ohne die im Gepäck kein tschechischer Besucher jemals die Stadt verlassen hat.

Zum anderen, und weit weniger als Mitbringsel geeignet, sind das Plastiken, die aus dem dort vorkommenden Sandstein gestaltet werden. Hořice verfügt über eine eigene Schule der Bildhauerei, und seit 1966 findet hier ein internationales Symposium der Bildhauer statt. Die resultierenden Werke sind in zwei Bildhauer-Parks zu bewundern, sowie ein paar davon auch im nahen Hradec Králové.

Mit der Ausnahme von künstlerischem Fachpublikum werden diese Objekte vielleicht noch keinen Besuch allein rechtfertigen, allerdings sind sie – gerade bei schönem Wetter – doch einen Abstecher wert, wenn man sich ohnehin in der Umgebung befindet. Gerade der zweite Park („St. Josef“) ist nur Kennern bekannt.

Empfehlung

Ich habe wiederholt sehr gute Erfahrung mit der Unterkunft „K Lomu“ („Zum Steinbruch“) gemacht. Günstig, sehr freundlich, dabei aber geräumig und sauber. Ideal für Selbstversorger, die ein 15-minütiger Fußweg ins Zentrum nicht stört – der übrigens an den oben besprochenen Skulpturen vorbei und durch eine schöne landschaftliche Kulisse führt.

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  • Christoph Amthor

    Erster länger Aufenthalt in Tschechien im Jahr 1997. Seit 2003 wohnhaft zumeist in Prag, mit Abstecher in die Slowakei. Journalist, dann Mitbegründer einer gemeinnützigen Organisation, Blogger.

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