Eintauchen in ferne Welten: Der Zoo in Zlín

Zoos hatten für mich lange Zeit diesen Beigeschmack von Klassenfahrten und endlosen Tieransammlungen in Miniaturgehegen und hinter Schaufenstern in kahlen Räumen, wo außer dem Tier noch etwas Stroh, ein Baumstamm und ein Wassernapf zu finden waren. Diesem Negativimage treten auch die tschechischen Zoologischen Gärten entschieden entgegen, und mit sichtlichem Erfolg. Inzwischen gehören für mich Zoobesuche zur Reihe der Optionen, wenn ich zu Besuch in einer der größeren tschechischen Städte bin.

In diesem Fall hatte ich einen langen Nachmittag in Zlín zur Verfügung. Der Zoo in Zlín kann sich dessen rühmen, das meistbesuchte Ausflugsziel in Tschechien zu sein – ein Grund mehr, ihn mir mal anzusehen.

Zoo Zlin - PapageiDas einzig Negative, das ich über den Zoo sagen kann, ist seine nicht ganz einfache Erreichbarkeit. Das Areal liegt gut außerhalb der Stadt und zudem auf einer Anhöhe, also ungeeignet für einen Fußweg oder spontan mit dem Fahrrad. Der Bus schafft die Strecke zwar vom zentralen Náměstí práce in 19 Minuten, was noch in das günstige 20-Minuten-Ticket passte, allerdings fahren die zuständigen Busse 34 und 36 zum Teil in längeren Abständen, zumeist etwa jede halbe, teilweise sogar mehr als eine Stunde.1

Ich musste an einem Werktag 35 Minuten lang warten, was bei dem schönen Wetter allerdings kein Problem war. Für den Rückweg musste ich die Zeit im Blick behalten, um den letzten Bus aus Zlín nicht zu verpassen. Zlín selbst ist nämlich nicht gerade die bestangebundene Bezirksstadt Tschechiens.

Von den Leuten, die an der Haltestelle Lešná – Zoo2 ausgestiegen waren, war ich der einzige, der schließlich in den Zoo ging. War es mir vorbestimmt, mit den Tieren dort allein zu sein?

So war es dann doch nicht. Im Innern waren neben Schulklassen auch ein paar Familien und kleinere Besuchergruppen zu finden. Insgesamt war es eher ruhig, ein paar der Buden waren geschlossen. Ich vermute, dass hier an Wochenenden mehr Betrieb ist.

Gleich zu Beginn war zu sehen, dass der Zoo auffallend gut in Schuss gehalten ist. Dieser Eindruck bestätigte sich immer wieder während des gesamten Aufenthalts. Darüber hinaus ist allerorten zu sehen, dass sehr viel Mühe in den Entwurf von vielfältigen Landschaften investiert wurde, seien es Parkanlagen im Freien oder fremdländische Szenerien in Hallen, die sich ein Filmdekorateur nicht besser hätte ausdenken können. Die Wege durch fremde Welten sind oft verschlungen und winden sich auf mehren Ebenen um knorrige Bäume, Ruinen und immer wieder Wasser.

Thematisch wurde der Zoo grundsätzlich nach Erdteilen organisiert: Amerika, Afrika, Asien und Australien. Ein praktischer Rundweg führt durch das gesamte Gelände. Oft kann der Besucher durch Volieren und Gehege gehen, so etwa ein paar Schritte an Kängurus vorbei, oder „Aug-in-Aug“ mit einem Greifvogel, getrennt nur durch einige Drähte. Insgesamt sollte man sich mindestens zwei Stunden Zeit nehmen, wenn man sich alles ansehen will.

Eine besondere Attraktion sind die Rochen, die man3 selbst füttern darf:

 

Für deutschsprachige Besucher wird natürlich zumeist die Sprache der Informationen ein Problem darstellen. Die tschechischen Namen der Tiere haben natürlich keine Ähnlichkeit mit den entsprechenden deutschen. Allerdings sind zumindest die Webseiten auf Englisch verfügbar. Auf den Hinweisschildern geht es zumeist um die üblichen Regeln: Tiere nicht füttern (mit wenigen Ausnahmen) und nicht berühren, und die Wege insbesondere in den Freigehegen nicht verlassen.

 

Das Lešná-Schloss, integriert in das Zoo-Gelände.

Das Lešná-Schloss, das in das Zoo-Gelände integriert wurde.

 

Für die Halle „Yucatan“ wurden die Maya als thematischer Hintergrund gewählt:

 

Bei der Gestaltung der Landschaften stehen oft fremde Kulturen mehr im Vordergrund als die Fauna:

Eine ganz eigene Atmosphäre strahlt der Japanische Garten "Shin Mu" aus, begleitet von Informationstafeln über japanische Gartenkultur.

Eine ganz eigene Atmosphäre strahlt der Japanische Garten „Mu-Shin“ aus, begleitet von Informationstafeln über japanische Gartenkultur (auf Tschechisch).

 

Der Fluss als Wasserressource in Afrika.

Der Fluss als Wasserressource in Afrika. Neben traditionellen Wasserbehältern finden sich auch moderne Plastikkanister.

 

Wassergewinnung in "Australien"

Wassergewinnung in „Australien“ und die Greifbarmachung des Fremden. Das Windrad dreht sich, und am Ende der vielen Rohre plätschert tatsächlich Wasser inmitten eines Spielplatzes.

 

Affenkönig mit grüner Perücke?

Ein ernster Affenkönig im grünen Pelz.

 

Wo es möglich ist, kann der Besucher direkt an die Tiere herantreten, oft sogar in deren Gehege. Die Behausungen sind oft bis ins Detail liebevoll gestaltet.

 

Das Giraffenhaus: Nicht das übliche Betongebäude.

Das Giraffenhaus, hell und hölzern: Nicht das übliche Betongebäude.

 

Wie schon angedeutet, saß ich dann irgendwann zunehmend „auf heißen Kohlen“, da ich meinen Bus zurück nach Prag erwischen musste. Wer auf Nummer Sicher gehen und nicht weit vom Bahnhof oder Busbahnhof warten will, dem empfehle ich das Café im Würfel, wo es sogar W-LAN4 gibt, nur 5 Minuten entfernt durch den Park und die Fußgängerunterführung.

 

 

Empfehlung

Günstige Unterkünfte sind oft nicht einfach zu finden in Zlín. Falls ich nicht privat übernachte, wähle ich zumeist das Hostel Duo. Es bietet jedoch zu dem Preis nicht viele Extras.

Zeige 4 Fußnoten

  1. So etwa am Samstag einer um 12:22, dann der nächste um 13:31
  2. Achtung: Die Endstation ist faktisch keine solche, da der Bus sofort weiter fährt, um über eine andere Strecke in die Stadt zurück zu fahren. Daher rechtzeitig aussteigen nicht vergessen!
  3. nachdem man sich die Hände gewaschen hat
  4. Heißt übrigens in Tschechien „wifi“ und wird ganz tschechisch ausgesprochen.
  • Wie viel sind dir Inhalte wert?

    Wie selbstverständlich zahlen wir für Hardware wie etwa Computer oder Handys und oft auch für die Datenverbindung. Aber woher kommen eigentlich die Inhalte, die da auf dem Bildschirm landen?

    Bitte unterstütze meine Arbeit mit einer kleinen Spende, die mir zur Deckung der Unkosten für Betrieb, Reise, Übernachtung und dergleichen hilft und die mich zu weiteren Artikeln motiviert. Vielen Dank!

  • Christoph Amthor

    Erster länger Aufenthalt in Tschechien in 1997. Seitdem zumeist wohnhaft in Prag, mit Abstecher in die Slowakei. Journalist, dann Mitbegründer einer gemeinnützigen Organisation, Blogger.

    Das könnte Dich auch interessieren...

    Neue Beiträge per E-Mail

     

    Die Adresse wird nicht zu anderen Zwecken verwendet und nicht weiter gegeben. Eine Beendigung des Abonnements ist jederzeit möglich.

    Newsletter