Eine Randbemerkung zu Autos in der Innenstadt

Ich möchte nicht auf den Fehler verfallen, die Entwicklung von Konzepten und Mentalitäten als einen eindimensionalen Pfad zu betrachten, auf dem sich manche Länder weiter vorne befinden, während andere noch zurück liegen. Bei den Verkehrskonzepten mancher Städte fällt es mir jedoch schwer. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen in Deutschland in den 80ern und 90ern, als dort Fußgängerzonen in Innenstädten als experimentell und risikoreich für die Wirtschaft galten.

Ein Déjà-vu habe ich nun kürzlich in Hradec Králové – bekannt auch als Königgrätz – erlebt. Was fängt man wohl mit dem zentralsten Platz seiner Stadt an? Was macht Venedig mit seinem Piazza San Marco, New York mit dem Times Square, München mit dem Marienplatz, Hamburg mit dem Rathausmarkt, Bremen mit dem Markt um den Roland und Frankfurt mit dem Römer? Die selbe Frage stellt sich natürlich genauso in Rakovník, Plzeň, Olomouc oder Chrudim.

In Königgrätz hat man sich für einen Parkplatz entschieden.

Velké náměstí (Großer Platz) in Hradec Králové

Velké náměstí (Großer Platz, oder Großer Marktplatz, oder auch Großer Parkplatz) in Hradec Králové (Königgrätz)

Die jahrhundertealte Stadtgeschichte hat den Bürgern einen großen, freien Platz beschert, der zudem noch sehr zentral liegt. Wie geschaffen dazu, um hier Autos abzustellen. Als Besucher sucht man sich nun einen Weg zwischen den Fahrzeugen, muss immer wieder auf den Verkehr achten und hat nach der geglückten Überquerung noch nicht einmal die Mariensäule bemerkt.

Hradec Králové

Zufahrt vom Osten her: Als Fußgänger trifft man auf einen Baustellenzaun. Das Foto entstand an einem Wochenende.

Natürlich hört die Stadt mit diesem Platz noch nicht auf, und bereits die „Südterrassen“, die Elbe und andere Straßenzüge bieten ein völlig anderes Bild: das einer sehr schönen und liebenswerten Stadt. Dem werde ich mich ein anderes Mal widmen.

Ich habe mir dennoch – oder gerade deshalb – erlaubt, Hradec Králové als Beispiel heranzuziehen: Die Stadt mag an anderen Stellen auch noch so attraktiv sein, der zentrale Platz bleibt doch immer eine Visitenkarte.

 

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  • Christoph Amthor

    Erster länger Aufenthalt in Tschechien im Jahr 1997. Seit 2003 wohnhaft zumeist in Prag, mit Abstecher in die Slowakei. Journalist, dann Mitbegründer einer gemeinnützigen Organisation, Blogger, Software-Entwickler.

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    2 Antworten

    1. Christian Fränkel sagt:

      Auch ich finde es schade, dass dieser Platz nur als Parkplatz dient. Andererseits fällt mir auch keine wirkliche andere Nutzung ein, die den Platz nicht „tot“ wirken lässt. Er ist nunmal sehr gross und man hat nur an einer Seite Restaurants etc. Vielleicht wäre ein kleiner Park oder zumindest Baumreihen schön, ein Wochenmarkt oder etwas in der Art wäre top. Aber schlussendlich alles mit Kosten verbunden, und man weiss am Ende nie, wie es angenommen wird.
      Ich wohne an einem solchen Platz, der von Parkplatz zu „südfranzösischem Dorfplatz“ umgestaltet wurde. Ergebnis: weniger Grün, mehr Pflaster, geschäfte machen zu und Anwohner parken schwieriger…

      P.S. Bitte mehr von Hradec Kralove schreiben – man sieht und hört viel zuwenig von dieser tollen Stadt!

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