Dinge des Alltags: Briefmarken mit Buchstaben

Diese Situation ist wohl bestens bekannt: Um nicht für jeden Brief zum Postamt laufen zu müssen, haben wir zu Hause eine kleine Schatulle (oder ein Zigarrenkistchen aus der Zeit, als wir noch geraucht haben), in der wir einen Vorrat an Briefmarken lagern. Ein paar Marken für Briefe, einige für Postkarten, und dann noch welche für die Weihnachtskarten an Tante Ida in den USA, damit sie uns nicht mal aus dem Testament streicht.

Und dann, gerade nachdem wir eine lange, lange Kette druckfrischer Marken gekauft haben, da passiert es: Die Post erhöht das Porto. Natürlich stellt sich hier die Frage, ob man nun seine Briefe überfrankieren muss, um nicht auf seinen klebrigen Freunden sitzen zu bleiben. Muss man aber nicht. Denn die Post hat an alles gedacht. Ihre Lösung sind Ergänzungsmarken zu Minibeträgen, mit denen man den gewünschten Wert zusammenpflastert.

Das war die schlechte Nachricht aus Deutschland. Und jetzt kommt die gute aus Tschechien.

Hier gibt es nämlich Briefmarken, die von der Česká Pošta als „Für-Immer-Briefmarken“ verkauft werden. „Für immer“ ist wohl nicht wörtlich zu verstehen, aber zumindest gelten sie so lange, wie Tante Ida noch Weihnachtskarten liest.

Diese Sache funktioniert so: Statt mit Zahlen sind die Briefmarken mit Buchstaben versehen. „A“ steht dabei für das tschechische Inland, „E“ für Europa (oder „Evropa“) und „Z“ für das übrige Ausland, also wohl wegen „zahraničí“. Diese Buchstaben-Briefmarken gelten für Standardbriefe (bis zu 50g – so schwer wie zweieinhalb Standardbriefe der Deutschen Post), und da sie keine aufgedruckten Werte aufweisen, gelten sie für immer.

tschechische Briefmarken mit Buchstaben
Die „100“ bezeichnet keinen Wert, sondern ein Jubiläum.

Und das Tollste ist, dass diese Marken sogar eine Währungsreform überstehen würden, wie die Tschechische Post zu erwähnen nicht vergisst. Sollte Tschechien also irgendwann einmal – je nach zukünftiger Regierung – auf den Euro oder Rubel umsteigen, dann behalten diese Marken ihre volle Gültigkeit.

Übrigens: Wer für die Marken nicht am Schalter anstehen will, der geht einfach zu den kleinen Schreibwarenläden, die sich in allen größeren Postämtern befinden, denn auch dort kann man Briefmarken kaufen. So einfach ist das in Tschechien!

Dies ist ein Beitrag aus der Serie Dinge des Alltags. Worum es dabei geht, ist hier zu lesen.

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Christoph Amthor

Erster länger Aufenthalt in Tschechien im Jahr 1997. Seit 2003 wohnhaft zumeist in Prag, mit Abstecher in die Slowakei. Journalist, dann Mitbegründer einer gemeinnützigen Organisation, Blogger, Software-Entwickler.

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Über dieses Land, das einfach liebenswert, aber oft auch geheimnisvoll und extrem verrückt ist, gibt es wirklich genug zu erzählen. Und natürlich kann man darüber nur mit einer guten Portion böhmischen Humors schreiben.