10 Tipps für reisende Senioren in Prag

Uhr im Prager Hauptbahnhof
Uhr im Prager Hauptbahnhof

Mit zunehmendem Alter nehmen zwar Mobilität und die Vertrautheit mit moderner Technologie ab, nicht jedoch die Reiselust. Reisen wird für Senioren zwar nicht von einem Tag auf den anderen unmöglich, allerdings erfordert es gewisse Einschränkungen, umsichtiges Vorausplanen und manchmal auch fremde Hilfe.

Für viele Menschen bildet Selbständigkeit und Unabhängigkeit einen wesentlichen Teil des persönlichen Lebensgefühls. Natürlich möchte man solange es geht seine Freiheiten wie früher nutzen, ohne für seinen Unternehmergeist bestraft zu werden.

In diesem Artikel nenne ich ein paar Ratschläge, die ich vor allem als Begleiter älterer Reisenden oder durch früheren beruflichen Kontakt mit Senioren gewonnen habe. Vieles davon gilt aber auch für andere Reisende.

1. Anfahrt im Auto: Stress vermeiden

Auf Autobahnen herrscht eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, was die Fahrt etwas entspannter macht. Allerdings ist die Fahrweise der Tschechen oft um einiges riskanter und emotionaler als bei uns. Gerade bei Fahrten nach Prag ist zu überlegen, ob der Vorteil, sein Fahrzeug dabei zu haben, wirklich den Stress aufwiegt.

Wer trotzdem mit dem Auto kommt, sollte etwas Geld in eine Parkgarage oder einen bewachten Parkplatz investieren. Hotels oder Einkaufszentren bieten oft eigene Parkmöglichkeiten. Denken Sie auch bei kurzen Halten daran, keine Wertsachen im Wagen zu lassen.

Weitere Hinweise zur Autobenutzung in Tschechien sind in diesem Beitrag erhältlich.

2. Anfahrt per Bahn: Buchungsoptionen nutzen

Bei der Anfahrt mit der Bahn wissen viele Senioren zu schätzen, wenn sie nicht oft umsteigen müssen und wenn sie beim Umsteigen genug Zeit haben, um nicht hetzen zu müssen. Wer im Internet bucht (oder buchen lässt), der kann sich die Verbindungssuche auf seine Bedürfnisse einstellen.

Fahrplanauskunft DB
Die erweiterte Verkehrsmittelauswahl bei der DB
Fahrplanauskunft ÖBB
Eine Auswahl der Optionen bei der ÖBB
„Parameter der Verbindung“ auf den Seiten der Tschechischen Bahn

Hier sind ein paar Tipps:

  • Suchen Sie auch einmal, nachdem Sie den ICE von den Verkehrsmitteln ausgeschlossen haben. Das Stück im Hochgeschwindigkeitszug bringt oft nur zusätzliche Umsteigevorgänge mit Wartezeiten.
  • Passen Sie die Umsteigezeit an Ihre Wünschen an. Die standardmäßige Mindestumsteigezeit beträgt manchmal weniger als zehn Minuten. Das reicht zwar, wenn der Zug am gleichen Bahnsteig wartet, aber nicht auf den großen Umsteigebahnhöfen. Wenn Ihr erster Zug auch nur fünf Minuten zu spät eintrifft, dann ist es mit der entspannten Reise vorbei. Rechnen Sie also lieber mit 15 oder 20 Minuten Umsteigezeit.
  • Wenn Sie sich den Sitzplatz auf einem Übersichtsplan aussuchen können, dann buchen Sie eher in der Mitte des Zuges. Es fällt dann weniger ins Gewicht, wenn der Zug mit umgedrehter Wagenfolge einfährt oder wenn Sie zeitlich knapp auf dem Bahnsteig eintreffen.
Schilder auf einem Bahnsteig in Tschechien
„Nástupiště“ heißt „Bahnsteig“. Pärchen dürfen, müssen aber nicht Hand in Hand gehen.

3. Geldumtausch nur an seriösen Orten

Am einfachsten ist es, tschechische Kronen an einem Geldautomaten abzuheben oder an einem Bankschalter zu wechseln. Wie auch anderswo empfiehlt sich ein Automat im Vorraum einer Bank. Hier ist es einfach unwahrscheinlicher, dass dunkle Gestalten warten oder dass die Tastatur und das Kartenlesegerät manipuliert worden sind. An touristisch überfüllten Orten und in Unterführungen würde ich ohnehin vermeiden, offen mit Geld zu hantieren.

Symbol für kontaktlose Zahlung auf tschechischer Geldkarte
Symbol für kontaktlose Zahlung auf der Karte

Typisch touristische Wechselstuben haben oft unklare Umtauschkurse und Gebühren. Manchmal lungern in der Gegend Gestalten herum, die nicht besonders das Vertrauen erwecken. Seit vielen Jahren gibt es auch keinen Grund mehr, auf dem Schwarzmarkt zu tauschen.

Übrigens kann in vielen Läden, Supermärkten, Restaurants und Cafés auch mit Karte1 bezahlt werden. An vielen Automaten ist es aber nur kontaktlos möglich.

4. Toiletten für den Notfall

Man spricht nicht gerne darüber, aber es kann zu einem handfesten Problem werden: Oft ist die Toilette nicht da, wenn sie plötzlich gebraucht wird.

Glücklicherweise ist Prag voller Orte, wo WCs zu finden sind, und das nicht nur im Zentrum. Typische Gelegenheiten finden sich etwa in:

  • Museen und Galerien
  • Kinos
  • Universitäten und Bibliotheken („knihovna“)
  • Polikliniken
  • Cafés, gegen einen Kaffee als Gebühr. Auch diese Betriebe haben schließlich Unterhaltskosten. Gute Chancen hat man in Ketten-Cafés (Coffeeshops) wie Costa Coffee, Crosscafé oder Starbucks.
  • Einkaufszentren, aber zum Teil weit im Obergeschoss oder gebührenpflichtig. (Ganz oben befinden sich zumeist Gastronomie und oft auch Kinos, wo sich folglich auch die stillen Orte finden.)
  • Bei einigen Metrostationen im Durchgang, wenn auch nicht immer sehr einladend.
  • und natürlich in Restaurants und Bistros, wobei hier erwartet wird, dass man etwas konsumiert. Nach meiner Erfahrung gilt: Je moderner, desto sauberer.
Herrentoilette

Gerade in „urtümlicheren“ Betrieben sind oft WC-Kabinen anzutreffen, deren Türen sich nicht abschließen lassen. Hier hilft nur der Schuh als Türstopper oder per Hand die Klinke festzuhalten. Vor dem Eintreten sollte man daher einmal kurz an die Tür klopfen, um niemanden zu überraschen.

Es gibt einen Online-Stadtplan mit öffentlichen Toiletten, allerdings ist er nicht vollständig.

Und noch abschließend, wie Sie die richtige Tür (ohne Probieren) finden, falls keine Symbole weiter helfen: „páni“ (mit langem „á“ und kurzem „i“ am Ende!) heißt „Herren“ und „dámy“ natürlich „Damen“. „Paní“ (mit kurzem „a“ und langem „í“ am Ende) heißt ebenfalls „Dame(n)“. Ganz einfach, oder?

5. Öffentliche Verkehrsmittel erfordern Voraussicht

Wer nicht die Großstadt gewohnt ist, der wird sich wohl zunächst auf das neue Tempo einstellen müssen: Metros (U-Bahnen), Trams (Straßenbahnen) und Busse halten oft nur für 10 Sekunden. Das heißt, Sie müssen schon vor dem Öffnen der Türen bereit stehen, wenn Sie hinaus wollen. Wenn Sie sich zu spät von Ihrem Platz erheben, kollidieren Sie beim Aussteigen mit den Fahrgästen, die einsteigen.

Selbst wenn der Wagen steht, sollten Sie immer eine Hand an einer Haltestange haben. Das vergessen viele Touristen vor allem dann, wenn sie angestrengt versuchen, den Fahrschein in den Entwerter zu bugsieren. Schnelles Anfahren, rasante Kurven und plötzliches Bremsen sind keine Seltenheit.

In Tschechien ist es üblich, dass Senioren der Sitzplatz angeboten wird. Allerdings ist dies vielleicht nicht der Wunschplatz, sondern der erste im Wagen.

Fahrkarten können übrigens an den wichtigsten Orten (Flughafen, Bahnhof) kontaktfrei (siehe oben) per Karte gekauft werden. In den neueren Trams geht das auch im Wagen.

Weitere Tipps zur Benutzung der Metro sind hier zu finden.

Überfüllte Straßenbahnhaltestelle
Viele Haltestellen sind nur sehr knapp bemessen. Vorsicht vor allem beim Aussteigen, um nicht gleich in den fahrenden Verkehr zu treten!

6. Kostenlos durch Prag ab 70

Ab einem Alter von 70 fahren Sie im Prager öffentlichen Personennahverkehr kostenlos, ganz unabhängig von Ihrer Nationalität oder Ihrem Wohnsitz. Falls kontrolliert wird, belegen Sie Ihr Alter mit einem amtlichen Lichtbildausweis. Sie müssen also nichts vorbestellen und registrieren.

Senioren im Alter von 65 bis 70 Jahren erhalten eine Ermäßigung, allerdings ist dazu eine Bescheinigung der Verkehrsbetriebe notwendig, die für viele Kurzzeittouristen zu umständlich sein dürfte.

Alle Informationen sind auch auf Deutsch erhältlich.

7. Sicherheit ist auch eine Frage der Vorsicht

  • Lassen Sie Wertsachen, die Sie nicht brauchen, im Hotelsafe.
  • Tragen Sie das Portemonnaie nicht in der Innentasche der Jacke oder in der Gesäßtasche.
  • Tragen Sie auch nichts Wertvolles im Rucksack.
  • Bereiten Sie sich ein paar Münzen oder kleinere Scheine vor, die Sie lose in der Tasche tragen, so dass Sie nicht am Automaten (oder falls Sie einem Straßenmusiker etwas geben wollen) Ihr Portemonnaie zücken müssen.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn es im Türbereich von Metro- oder Straßenbahnwagen zu einem „unnötigen“ Gedränge kommt.
  • Setzen Sie sich abends in Zügen nicht völlig allein in ein Abteil. Gute Mitfahrer sind etwa Mütter mit Kindern oder andere Touristen (mit Ausnahme von alkoholisierten Gruppen).
  • Machen Sie sich Kopien oder Fotos Ihres Ausweises und der Geldkarten und nehmen Sie diese gesondert mit. Schreiben Sie sich die Rufnummern auf, über die sich Geldkarten sperren lassen. Übrigens herrscht in Tschechien die Pflicht, immer einen Ausweis mitzuführen. Völlig darauf verzichten können Sie also nicht.
  • Achtung: Die Straßenbahn hat auf Zebrastreifen Vorfahrt! Hier kommt es immer wieder zu tragischen Unfällen.
  • Wenn Sie hinter einer Straßenbahn die Straße überqueren, dann gehen Sie extrem vorsichtig, da ein Zug aus der Gegenrichtung kommen kann.
  • Hier sollten Sie nicht von den Ortsansässigen lernen: Tschechische Senioren fallen mir oft dadurch auf, wie sie völlig unnötig auf sehr riskante Weise die Straße oder Gleise überqueren. Gehen Sie lieber die fünf Meter zur Ampel oder warten Sie, bis sich der Verkehr beruhigt hat.

Viele Orte (gerade außerhalb des touristischen Zentrums) sind nicht besonders gefährlich und hier wirkt es seltsam oder sogar kränkend, wenn Sie die Menschen in der Umgebung merken lassen, dass Sie ihnen misstrauen. Nach meiner Erfahrung geht Kriminalität nur von einer sehr begrenzten Anzahl von „Professionellen“ aus, die sich vor allem dort aufhalten, wo es sich lohnt. Je mehr Sie sich in den Bereichen des normalen tschechischen Alltags bewegen, umso sicherer können Sie sich fühlen.

Schild einer Umleitung
Dampflok oder Kinderwagen? Baustellen erfordern manchmal extreme Umwege.

8. Den Frühaufstehervorteil nutzen

Senioren sind oft schon wach, wenn die jüngeren Prag-Besucher noch ihren Rausch ausschlafen. Gerade in einer touristisch dermaßen überfüllten Stadt wie Prag kann das ein großer Vorteil sein: Besuchen Sie touristische Orte wie die Karlsbrücke oder den Altstädter Ring, bevor dort das Gedränge losgeht! Schlafen können Sie auch mittags, wenn sich die Massen durch die Stadt wälzen.

Um 7 Uhr morgens dürften zudem auch keine Taschendiebe unterwegs sein. Die suchen nämlich auch das Gedränge.

9. Nur den flachen Netzstecker

tschechische Steckdose

Tschechien hat ebenfalls ein 230-Volt-Netz, allerdings ragt in den Steckdosen ein Stift (Schutzleiter) heraus, so dass alle runden Netzstecker ein entsprechendes Loch aufweisen müssen, um benutzt werden zu können. Am einfachsten ist es, nur Geräte mit einem flachen Stecker mitzunehmen. Dann brauchen Sie sich um den Stift nicht zu kümmern.

10. Vermeiden Sie Stoßzeiten

Auch Senioren sind sehr beschäftigt. Trotzdem können sich Rentner ihre Reisen zumeist planen, ohne auf Schulferien, Wochenenden oder Feiertage Rücksicht nehmen zu müssen.

Juli und August können in Prag sehr heiß werden. Klimaanlagen sind nur in Einkaufszentren und einigen Coffeeshops üblich. Umgekehrt sind Januar und Februar oft kalt und trist. Zudem kommt es im Winter manchmal zu Glatteis, so dass Sie dann im Hotel festsitzen. Einen guten Kompromiss bilden April und Mai bzw. September und Oktober.

An Wochenenden strömen vor allem Kurzurlauber nach Prag. Viele kommen, um vom billigen Alkohol Gebrauch zu machen, und benehmen sich bereits in den Zügen so, dass man weder im selben Abteil sitzen noch sonst wie mit ihnen in Zusammenhang gebracht werden möchte. Hier ist die neue Wortschöpfung „fremdschämen“ angemessen. Viele Prager fahren in umgekehrter Richtung vor dem Wochenende aufs Land und kommen am Sonntagabend zurück, so dass dann die Züge und Autobahnen entsprechend voll sind.

So gesehen sind Werktage sicher lohnender. Beachten Sie aber, dass auch in Prag viele Museen am Montag geschlossen sind.

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  1. oder mit Euros, aber bei schlechtem Wechselkurs

Christoph Amthor

Erster länger Aufenthalt in Tschechien im Jahr 1997. Seit 2003 wohnhaft zumeist in Prag, mit Abstecher in die Slowakei. Journalist, dann Mitbegründer einer gemeinnützigen Organisation, Blogger, Software-Entwickler.

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1 Antwort

  1. Johannes John sagt:

    Finde ich prima und hilfreich. Wer Prag etwas kennt, weiß, dass man die Tipps beherzigen sollte. Dann macht der Besuch in Prag wirklich ungetrübte Freude, auch für Senioren.

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Von einer atemberaubenden Landschaft, über Bier und Knödel bis hin zu Kafka, dem Golem und einem Geist, der eine wissenschaftliche Karriere gemacht hat. Vom Fliegenden Ferdinand und Pan Tau bis zur Lässigkeit, mit der dort ein Fabrikschornstein gefällt wird.

 

Über dieses Land, das einfach liebenswert, aber oft auch geheimnisvoll und extrem verrückt ist, gibt es wirklich genug zu erzählen. Und natürlich kann man darüber nur mit einer guten Portion böhmischen Humors schreiben.