Mit der Fahrkarte „First Minute Europa“ nach Tschechien

Bahnfahrten im westlichen Ausland sind für Tschechen oft finanziell extrem unattraktiv. Daher bietet die Tschechische Bahn günstigere Tarife an, wenn man in Tschechien abfährt oder ankommt. Diese Angebote sind natürlich nicht nur für Tschechen verfügbar, und oft lohnt es sich, vor der Reise alle Anbieter zu vergleichen.

Ich habe daher auf beiden Portalen die selbe Strecke (Hamburg-Prag) herausgesucht und die Preise verglichen.

Der Unterschied ist unschwer zu erkennen. Beide Gesellschaften bieten neben dem Normalpreis ein vergünstigtes Angebot. Bei der Deutschen Bahn gibt es das für 74 €. Bei der Tschechischen Bahn sind es dagegen nur 524 Kč1, das entspricht rund 20 € – für rund sieben Stunden Fahrt von Hamburg nach Prag!

Die betreffende Fahrkarte First Minute Europa heißt auf Tschechisch Včasná Jízdenka – also wörtlich etwa „Rechtzeitige Fahrkarte“. Sie gilt außerhalb Tschechiens in Nahverkehrszügen und Eurocitys.

Nutzungsbedingungen

  • Der Fahrausweis ist nicht übertragbar und gilt nur mit dem Ausweis, dessen Nummer auf dem Fahrausweis angeführt ist.
  • Fahrausweise sind auf einem eigenen Drucker im Format A4 auszudrucken.
  • Eine internationale Fahrkarte kann für die angeführte Strecke oder für die angeführte Strecke und den festgelegten Zug, der auf der Fahrkarte angeführt ist, verwendet werden.
  • Eine Fahrkarte für den Auslandsverkehr muss vor dem Passieren der Staatsgrenze durch einen Schaffner der Tschechischen Bahnen oder an einem Kassenschalter der Tschechischen Bahnen entwertet werden. Diese Bedingung gilt nicht bei einer Reise nach Deutschland, Österreich und in die Slowakei. Falls erforderlich ist der Reisende verpflichtet, das Zugbegleitpersonal selbst aktiv aufzusuchen.
  • Ein Anspruch auf eine Fahrpreisermäßigung ist im Rahmen einer Fahrkartenkontrolle im Zug durch einen entsprechenden Ausweis bezüglich der Ermäßigung nachzuweisen.
  • Eine Fahrkarte des Typs First Minute Europa kann nicht durch Gründe auf Seiten des Reisenden zurückgegeben, geändert oder umgetauscht werden.

Quelle: E-Shop von ČD beim Kaufvorgang, Hervorhebung von mir

Es ist kein Problem, eine Hin- und Rückfahrt auf zwei getrennten Blättern auszudrucken. Deutsche2 Schaffner können den Code mit ihrem Gerät einscannen. Die Reise kann somit auch in Deutschland begonnen werden, ohne dass der tschechische Kollege schon einmal gestempelt hat.

Diese Fahrkarte kann über den E-Shop der Tschechischen Bahn (ČD) gekauft werden.3 Dort gibt es sogar eine deutsche Sprachversion. Glücklicherweise sind deutsche Städtenamen auch in der Originalschreibweise auffindbar – im Unterschied zu vielen tschechischen Reiseportalen, wo man etwa „Dresden“ als „Drážďany“ und „Regensburg“ als „Řezno“ suchen muss. Dieser E-Shop ist übrigens nicht identisch mit der normalen Fahrplanauskunft auf der Homepage von ČD, die zwar die selben Verbindungen liefert, allerdings ohne Kaufmöglichkeit.

Im nächsten Schritt gibt man an, wie man sich im Zug identifizieren möchte. Zur Wahl stehen die Inkarta („IN“) – das ist so etwa das tschechische Äquivalent der Bahncard – und der Personalausweis – den man in Tschechien ohnehin immer mit sich führen muss. Gezahlt werden kann wie üblich per Karte. Die fertige Fahrkarte ist dann zweisprachig.

1.Tipp: Manchmal ist es sogar günstiger, eine grenzüberschreitende Fahrkarte bis nach Tschechien hinein zu kaufen, wenn man eigentlich gar nicht nach Tschechien will. Den Rest der Reise lässt man einfach verfallen.

2. Tipp: In tschechischen Speisewagen gelten auf tschechischem Gebiet besonders günstige Preise. Ein netter Ausklang der Reise bis zur Ankunft in Prag?


 

Zeige 3 Fußnoten

  1. Der Preis für diesen Tarif variiert – an manchen Tagen beträgt er 928 Kč
  2. In Österreich habe ich es noch nicht probiert.
  3. Alternativ lässt sie sich auch zum Aufpreis von 50 Kč an tschechischen Bahnschaltern kaufen, allerdings geht damit der Vorteil verloren, die Reise in Deutschland zu beginnen.

Christoph Amthor

Erster länger Aufenthalt in Tschechien in 1997. Seitdem zumeist wohnhaft in Prag, mit Abstecher in die Slowakei. Journalist, dann Mitbegründer einer gemeinnützigen Organisation, Blogger.

Das könnte Dich auch interessieren...

6 Antworten

  1. Martin sagt:

    Sehr interessanter Tipp! Nicht nur für Eisenbahnfans. Schade, daß inzwischen viele Bahnverbindungen der DB von Deutschland nach Tschechien statt mit der Bahn mit dem Bus durchgeführt werden…

    • Ja, denke ich auch. Oft waren es vermutlich politisch motivierte Entscheidungen, wie bei der Anbindung zwischen Böhmen und Bayern. Bahn und Binnenschifffahrt wären daneben auch viel geeigneter für Gütertransporte.

  2. David sagt:

    Hallo Christoph,

    Zusatztipp aus Süddeutschland:

    Wer flexibel nach Tschechien reisen will, kann auch eine Kombination aus Bayern-Böhmen-Ticket und Einzelfahrkarte nutzen. Dann muss man nicht im Voraus buchen, sondern kann spontan reisen für gerade mal 10€ mehr:

    http://www.zugreiseblog.de/zug-nach-prag-ab-14-euro-mit-der-bahn-nach-tschechien/

  3. Maria sagt:

    Super Tipp, vielen Dank! Gerade bei einer kurzfristitgen Buchung könnte ich so viel Geld sparen! Und das funktioniert wirklich problemlos? Und das Ticket muss nicht zunächst in Tschechien entwertet werden? Dann würde es sich ja immerhin noch für die Rückfahrt lohnen. Was mich noch interessieren würde, ist die Zugbindung. Bin ich an den ausgewiesenen Zug gebunden und was passiert bei Verspätung und dadurch verpasste Anschlusszüge?
    Vielen Dank!

    • Ich bin mit dem Ticket immer problemlos gefahren. Eine Entwertung in Tschechien war nie notwendig. In Tschechien wird manchmal nicht kontrolliert (v.a. nicht nach dem letzten Bahnhof auf tschechischer Seite), also kann es durchaus sein, dass man ohne Stempel einreist. Die deutschen Schaffner (und nicht nur DB) haben das Ticket ebenfalls in ihrem Computer und können den Code einscannen. Das Ticket ist zudem mehrsprachig beschriftet.

      Hin- und Rückfahrt müssen auch nicht auf dem selben Papier ausgedruckt werden – im Grunde sind es zwei Einzelfahrscheine. Man kann also durchaus mit einem Einzelfahrschein in Richtung Tschechien fahren, also logischerweise dann auch ohne tschechischen Stempel.

      In Deutschland gilt dann die Zugbindung. Ich glaube, in Tschechien dann nicht mehr, aber da bin ich mir nicht so sicher.

      Bei Verspätungen nimmt man einfach den nächsten Zug. Das ist mir schon häufiger passiert (allerdings nur in Deutschland). Ich weiß nicht, wie es strikt nach den Regeln läuft, aber das war nie ein Problem. Ggf. die Verspätung vom Schaffner irgendwo auf dem Ticket markieren lassen. Die tschechischen Schaffner sind da nach meiner Erfahrung flexibler und pragmatischer – solange das Ticket grundsätzlich ok ist, kann man mitfahren. (Übrigens findet die tschechische Fahrplanauskunft für Deutschland z.T. extrem knappe Umsteigezeiten. Ggf. dann manuell eine realistischere Zeit eingeben.)

Neue Beiträge per E-Mail

 

Die Adresse wird nicht zu anderen Zwecken verwendet und nicht weiter gegeben. Eine Beendigung des Abonnements ist jederzeit möglich.

Newsletter