Die Hohe Tatra – die slowakischen Alpen?

Hin und wieder führen mich Veranstaltungen in die Slowakei, und zweimal bereits nach Poprad, am Fuß der Hohen Tatra. Die Tatra war das einzige Hochgebirge in der damaligen Tschechoslowakei, und vielleicht auch so etwas wie ein Alpenersatz in den Zeiten, als Auslandsreisen noch eine schwierige Sache waren. Vielleicht liegt es an diesem Anspruch, warum ich immer mit einer gewissen „Alpenerwartung“ auf die Tatra blicke.

Ist die Hohe Tatra also so etwas wie die slowakischen Alpen? Ich habe sie mir angesehen.

Hohe Tatra, Štrbské Pleso

Die Hohe Tatra ist ein imposantes Bergmassiv, das trotz der umliegenden Gebirge doch relativ isoliert empor ragt. Die direkte Umgebung empfinde ich als überraschend flach. Vielleicht nicht so flach wie die Holsteinische Schweiz, aber doch wie ein mittleres Mittelgebirge. Dicht beisammen steht eine Reihe felsiger Gipfel, die nach unten hin zunächst von Geröll, und dann von Nadelwaldflächen gezeichnet sind.

Hohe Tatra, "Alpenglühen"

Das ist dann wohl das „Tatraglühen“

Aufgrund anderer Termine hatte ich jeweils immer nur halbe Tage dafür übrig, um mich in der Gegend umzusehen. Ich hoffe, dass ich irgendwann einmal eine längere Tour machen kann, aber dann wohl im Sommer. Mir fehlt die Kompetenz, um die Wintersportmöglichkeiten zu bewerten, und zum bloßen Wandern ist es im Oktober zwar noch nicht zu kalt (obwohl durchaus mal Wanderer erfrieren und hier und dort schon Schnee lag), aber die Tage sind bereits so kurz, dass ich an dem geplanten Nachmittag nicht mehr viel unternehmen konnte, ohne zu riskieren, irgendwo im schwierigen Gelände von der Dämmerung überrascht zu werden. Ein halber Tag reicht durchaus, um einmal hinauf in die Berge zu fahren und die Atmosphäre aufzunehmen.

Die Stadt Poprad ist freundlich, das Zentrum jedoch sehr überschaubar. Anders als etwa in Košice, fand ich die Straßen in seinem weiteren Umkreis nicht interessant oder schön genug, um dort einfach spazieren zu gehen. Ein wenig in die Berge hinein ist alles sichtbar vom Tourismus geprägt. Es ist nicht etwa überladen oder zerbaut, aber dennoch ist es dort (wo ich war) schwer, irgendein Haus zu finden, das kein Hotel oder Restaurant ist. So etwas wie Cafés mit persönlicher Note, Kunsthandwerk oder traditionelle Bauernhöfe habe ich nicht angetroffen. Andererseits ist die Infrastruktur professionell, die Angestellten sind sehr freundlich und alles ist so gut in Schuss, wie man es etwa im Westen gewohnt ist.

Mancherorts empfängt einen noch ein Gebäude mit Ostblockcharme, aber diese Gebäude aus den 70ern etwa finden sich nun durchaus auch bei uns an touristischen Orten. Einige Hotels sind von einem erstaunlichen Luxus geprägt, aber insgesamt kommt man in den Bergen mit einem schmalen Budget gut zurecht.

Anreise

Aus Prag kommend, hatte ich prinzipiell zwei Möglichkeiten, die mir genug Bequemlichkeit boten, um nach der Reise noch möglichst viel Kraft und Zeit für den eigentlichen Aufenthalt zu haben: Die privaten Bahngesellschaften RegioJet (von der Student Agency) und Leo Express halten beide in Poprad. Beide sind sehr bequem und bieten guten Service am Platz. Ich hatte mich für den RegioJet entschieden, weil er zeitlich gut passte und weil die Preise günstig waren: Die über 7 Stunden Fahrt zurück über Nacht kosteten nur etwa 250 Kronen, also um die 9 Euro.1 Inbegriffen waren Filme auf dem Flachbildschirm, Heißgetränke und ein Croissant am Morgen2.

Daneben kann man natürlich auch die offiziellen Bahngesellschaften, Busse oder das eigene Auto benutzen, allerdings empfand ich das Reisen in den überfüllten Zügen mit langen Verspätungen als zu anstrengend.

Hohe Tatra, Schmalspurbahn

In der „Električka“

In Poprad steigt man dann in eine Schmalspurbahn der Tatranská elektrická železnica um, einer Art Straßenbahn und daher auch einfach „električka“ genannt. Deren Bahnsteige befinden sich rechtwinklig zu den übrigen Gleisen oben am Ende der Fußgängerbrücke. Für die Fahrscheine muss man sich Euro-Münzen bereit halten – die Automaten nehmen weder Scheine noch Karten, oder man wartet am Schalter. Die Fahrscheine entwertet man dann nach dem Einsteigen. Die Fahrt bis nach Štrbské Pleso kostet nur 2 Euro – für 29 km und über einer Stunde Fahrt.

Ausflugsziele

Starý Smokovec - Kirche "Nepoškvrneného počatia Panny Márie"

Holzkirche „Nepoškvrneného počatia Panny Márie“ in Starý Smokovec. Die korrekte Aussprache des Namens bildet keine Voraussetzung für ihren Besuch.

Zunächst einmal habe ich den Hrebienok besucht, für den man aus der Električka in der Station Starý Smokovec aussteigt und dann, nach einem Fußweg im Ort ein Stück höher, in die Standseilbahn umsteigt.

Von der Bergstation aus bin ich mit Freunden zu einem Wildwasserbach gegangen, was sich gut mit normalem Schuhwerk bewältigen ließ. Gerade hier fallen überall die Sturmschäden auf, die noch von 2004 stammen. Über weite Flächen sind lediglich Stümpfe oder vereinzelt aufragende Stämme zu sehen.

Hier oben hatte ich dann auch erstmals so etwas wie ein „Hochgebirgsgefühl“, wie ich es aus den Alpen kenne. Vielleicht hätte ich noch höher hinauf steigen müssen, aber die Zeit war begrenzt.

Hohe Tatra, Štrbské PlesoMit der Schmalspurbahn bin ich an einem anderen Tag bis nach Štrbské Pleso gefahren. Dort gibt es einen malerischen Gletschersee, viele Hotels und ein Sport-Areal mit Sprungschanzen und Skiliften. Die Atmosphäre erinnerte an die typischen, touristisch geprägten Städtchen in alpinen Bergtälern.

Von hier aus kann man gut zu längeren Wanderungen aufbrechen (etwa zum Wasserfall Skok, den ich allerdings nicht geschafft habe, da es bereits zu dämmern anfing und ich noch weitere Fotos machen wollte), wobei ich hier festes und wasserfestes Schuhwerk empfehle. Für einen Kurzaufenthalt reicht der Rundgang um den See im Ort, nach dem Štrbské Pleso benannt ist. Hier ist die Bergkulisse wirklich sehr schön zu sehen – ein Ort mit vielen malerischen Ecken.

Noch auf der Rückfahrt habe ich darüber nachgegrübelt, ob die Hohe Tatra nun für mich so etwas wie die slowakischen Alpen ist. Aber so ganz hat es nicht gepasst. Auch wenn an vielen Stellen die Umgebung sehr ähnlich ist, so ist doch irgendetwas anders. Vielleicht fehlte mir einfach das allmähliche Eintauchen in das Gebirge, wenn man auf gewundenen Straßen um immer höher werdende Berge kurvt, bis irgendwann felsige und schneebedeckte Gipfel vor einem aufsteigen. Es fehlte auch diese Erfahrung der engen Bergwände, der Viadukte und Tunnel. Andererseits kann ich auch nicht sagen, enttäuscht zu sein: Es gab dort wunderschöne Szenerien und viel Natur. Es handelt sich wohl einfach um eine andere Art des Hochgebirges, etwas ganz Eigenes.

Hohe Tatra, Štrbské Pleso

Nach den ersten Eindrücken werde ich auf jeden Fall noch ein paar Mal zurück kommen. Bis jetzt habe ich mit meinen Besuchen nur „an der Oberfläche gekratzt“. Aber nun gehört die Hohe Tatra erstmal den Wintersportlern.

 

Zeige 2 Fußnoten

  1. Die Hinfahrt kostete etwa 200 Kronen mehr.
  2. …, das ähnlich gut drauf war wie ich nach einer Nacht im Sitzen
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  • Christoph Amthor

    Erster länger Aufenthalt in Tschechien in 1997. Seitdem zumeist wohnhaft in Prag, mit Abstecher in die Slowakei. Journalist, dann Mitbegründer einer gemeinnützigen Organisation, Blogger.

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